Im Zentrum meiner Arbeit stehen drei soziale und persönliche Brennpunkte:

Berufsfindung, Selbstfindung und Teilhabe an der Gesellschaft durch Bildung und Arbeit.

Jeder weiß, man sollte nicht nur für die Arbeit leben, und Bildung ist nicht alles. Und doch gibt uns die Arbeit einen Sinn, und Bildung unterstützt den Erfolg im Leben. Die Herausforderung dieser Brennpunkte beschäftigt uns alleine, im Team und gesellschaftlich. Ich arbeite mit Ihnen analytisch, strategisch und system(at)isch an folgenden Schwerpunkten:


> Ein tolles, innovatives Projekt - wie präsentieren und dokumentieren Sie die Wirkung (potentiellen) Geldgebern?


> Bildungsprojekte: Wie konzipieren Sie ein Projekt von Anfang an (oder nachträglich) so, dass Sie dessen Wirkung berücksichtigen und messbar machen?

> Wie durchbrechen Sie den Kreislauf der Problemgenerierung auf der persönlichen Ebene?

 

> Welche Methoden setzen Sie ein, um ans Ziel zu kommen?


> Wie kommen Sie zu guten Entscheidungen?

> Wie kommen Sie zu einer Entscheidungs-findung, welchen Beruf Sie ausüben wollen?

 

Wie gehen Sie mit der Angst bei der beruflichen Entscheidungsfindung um?


Eltern: Wie unterstützen Sie Ihr Kind bei der Entscheidungsfindung?


Claudia Schmoll

Als studierte Sozialarbeiterin, ausgebildete Trainerin und weitergebildet zur systemischen Beraterin und Qualitätsmanagerin arbeite ich seit über zwanzig Jahren an Bildungskonzepten und seit sieben Jahren in der Berufsberatung und für soziale Projekte. Meine Kernkompetenzen sind die Konzeption, Umsetzung und Wirkungsanalyse sozialer Projekte, sowie die Beratung und Begleitung bei Entwicklungsprozessen, Berufsfindung und Bewerbung.

 

Warum "lumen"? Zu deutsch bedeutet lumen Licht/Auge, weil ich gern Licht ins Dunkel bringe, d.h. die Situationen beleuchte. Ob Untersuchung von Wirkung sozialer Projekte oder mit zwei paar Augen ein Sache betrachten (Klient und Berater): Ich mag es, genau hinzuschauen, Dinge zu hinterfragen und bedachte Prozesse anzustoßen.



Mein aktueller Gedanke aus Tipps/Blog:

Liebe und Angst

Es gibt aus meiner Sicht und Erfahrung nur zwei Handlungsmotive: Liebe oder Angst. Wer das sagt? Ich weiß es tatsächlich nicht mehr genau, ich meine es vor vielen Jahren das erste Mal in Gerd Jampolskys „Lieben heißt die Angst verlieren“ gelesen zu haben. Wenn ich das in einer Diskussion beitrage, ernte ich meist Gegenwehr: Ich würde die z.B. Wut und alle möglichen Gefühle, aus denen heraus man operiert, wie Schmerz und anderes ausklammern. Diese Motivationen möchte ich nicht in Abrede stellen, aber meiner Meinung - und Erfahrung - nach ist das Grundgefühl, das allen als negativ wahrgenommenen Gefühlen zugrunde liegt, die Angst. Selbst die als so „stark“ und „selbstbewusste“ Emotion wahrgenommene Wut entspringt der Angst. Wut entsteht aus Ohnmacht (nicht aus Macht!), dass etwas ohne meinen Einfluss seinen Gang genommen hat, und ich habe Angst, dass es sich in eine Richtung entwickelt, die ich nicht will. Wut hat auch etwas mit Schmerz zu tun, die Dinge nicht nehmen zu können, wie sie sind. Wut kann natürlich nützlich sein, kann helfen, Berge zu versetzen, kann helfen, von der Ohnmacht in die Macht zu kommen. Wut kann aber z.B. auch sehr leicht blind machen - und dann bleibe ich in der Angst. Denn nicht Liebe macht blind, sondern Angst. 

Das lässt sich mit allen möglichen negativen Emotionen durchdeklinieren, und man kommt immer auf die dahinter liegende Angst: Angst etwas nicht zu bekommen, das man haben will (Neid, Eifersucht), Angst einem würde etwas vorenthalten, man käme schlechter weg (Misstrauen), Angst vor Liebesentzug und vor dem Verlassenwerden, Angst, etwas passiert mit einem, das man nicht will (Ohnmacht). Aber wie ist das mit der Ungerechtigkeit, der Unmenschlichkeit und Grausamkeit in der Welt? Muss man da nicht nicht wütend werden? Ja, natürlich muss man das! Aber es gibt die Möglichkeit, nicht blindwütig zu werden, sondern ich plädiere dafür, man sollte sich empören. Empörung ist ein Gefühl, das m.E. nicht dem Ego entspringt, weil man selbst etwas nicht will, sondern Empörung hat das Ganze im Blick. Empörung sucht Verbündete, die aus Liebe zum großen Ganzen ihren Ärger kundtun und auf der Suche nach einer Lösung sind, die Dinge friedlich zu verändern. Empörung zieht seine Grundlage aus der Moral und der Ethik, nicht aus Egoismus oder persönlichen Befindlichkeiten.

 

Zurück zu den persönlichen Befindlichkeiten, denn damit hat man mit sich selbst oft genug zu tun: Liebe und Angst steuern also die Handlungen? Meines Erachtens: ja! Liebe ist nachsichtig mit menschlichen Schwächen, Angst urteilt. Liebe lässt einen sich öffnen, Angst verschließt einen. Interessanterweise haben Leute oft mehr Angst, die mehr (Geld, Besitztümer...) zu verlieren haben, als diejenigen, die wenig zu verlieren haben. Seltsam, oder? Wenn ich viel zu verlieren habe, könnte es mir egal sein, das ein oder andere zu verlieren. Wenn ich wenig habe, könnte ich mich gefordert fühlen, darauf aufzupassen und das Wenige zu hüten. Bei letzterer Betrachtung kommt einem jetzt vielleicht in den Sinn: Aber Angst ist doch normal und wichtig, Angst schützt vor Verlust, Angst schützt vor Gefahren, die Geschichte mit dem Säbelzahntiger und so? 

 

An dieser Stelle macht es Sinn, den Begriff „Furcht“ zu einzuführen. Dabei ist meine persönliche Assoziation sofort der Titel des Märchens „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“. Wer kennt die Geschichte? Die Moral der Geschichte ist, dass man sich vor allem vor sich selbst in Acht nehmen soll. Schlägt man „Furcht“ im Duden nach, erfährt man, dass in der Psychologie und Philosophie der Begriff „Furcht“ die objektbezogene Angst ist und „Angst“ die nicht objektbezogene, also auch als „irrational“ eingestufte Angst. Ich finde, das ich eine hilfreiche Art, über seine Ängste nachzudenken. Was ist tatsächlich notwendig, um mich zu schützen (Säbelzahntiger oder auf mich zu rollender Bus), oder mit was stehe ich mir selbst und meiner Zufriedenheit im Weg (Angst vor Kollegen oder Nachbarn; Angst, die Dinge könnten anders laufen als ich will; Angst, unerwünscht zu sein etc.). Mit anderen Worten: Liebe heißt Vertrauen zu haben, dass sich die Menschen und Dinge gut im Sinn von „für alle gut“ entwickeln. Tun sie das nicht und viele andere außer mir sind betroffen, dann suche ich mir Gleichgesinnte und empöre mich gemeinsam mit aller Kraft der Liebe. Geht es aber nur um meine eigenen - vielleicht etwas egoistischen?- Ziele, dass die Dinge sich für MICH alleine zum Besten entwickeln sollen, könnte ich mich fragen, ob eine rationale Furcht dahinter steht oder welche Angst dem zugrunde liegt und woher sie kommt.

 

Übrigens sind unsere Mindfucks ein hervorragender Zeiger unserer Ängste, denn ohne Angst kein Mindfuck - einfach mal nachschauen! 

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Über die Schwierigkeit, den ersten Beruf zu wählen

Seit fünf Jahren leite ich ein Projekt zur Berufsorientierung für Mittelschüler. Die Jugendlichen sind in der 7. oder 8. Klasse, wenn sie mit dem Projekt - und dem Thema - in Berührung kommen. Sie sind also im Alter von 13 - 14 Jahren, und, der Regel zur früheren Einschulung sei Dank, manchmal auch erst 12. Aber auch in der Realschule ist man nicht viel älter 15, wenn die Berufswahl-Entscheidung fallen soll - schließlich sollte man sich ein Jahr im Voraus bewerben. Immer wieder gerate ich im Freundes- und Bekanntenkreis in Diskussionen um die "Ausbildungsreife" und es fallen Aussagen wie "wenn die nicht wollen" und "null Bock Generation" oder auch "selber schuld", wenn sie keinen Ausbildungsplatz finden, die Berufswahl nicht treffen können etc. 

 

Wie sehen Sie das? Wie siehst Du das?

 

Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich die Verantwortlichkeiten und Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche verschoben haben. Zweijährige sind heute schon verantwortlich, ob sie den Mantel anziehen oder die Arztpraxis nach der Behandlung verlassen:

"Willst du den Mantel jetzt anziehen?" "Magst du jetzt gehen?". Gleichzeitig werden sämtliche Schutzmaßnahmen getroffen, damit sie auf Klettergerüste steigen können, für die sie noch zu jung seitens der Gefahreneinschätzung sind. Ich denke, jeder kann hier mit Beispielen aufwarten. Was ich sagen will: Muten wir Kindern nicht zu viel Verantwortung zu, auch für Entscheidungen, die sie noch nicht treffen können? Und beschützen wir sie nicht zu sehr, um selbst kein "nein, das darfst du noch nicht" auszusprechen? Aus meiner Sicht entziehen wir Erwachsenen uns damit unserer Verantwortung, wenn wir alles den Kindern überlassen, um ihnen größtmögliche Freiheit zu bieten. Eines meines Lieblingsbücher zur Kindererziehung war und ist "Freiheit und Grenzen - Liebe und Respekt". Es ging im Wesentlichen darum, dass die Freiheit parallel mit der Verantwortlichkeit wächst, wenn man seine Grenzen gemäß seiner persönlichen Entwicklung kennt,  sie einschätzen kann und sie altersgemäß erweitert werden. Daraus wächst Selbstvertrauen und ein gesundes Risikomanagement. Wichtige Eigenschaften für das Erwachsensein. Im Alter von 14 oder 15 ist man noch nicht erwachsen, die Gesellschaft zeigt dies auch in Form von Beschränkungen im Suchtmittelkonsum, Ausgehzeiten, Mitspracherecht bei Wahlen u.a.. Dennoch wird die komplette Verantwortlichkeit, was die Berufswahl anbelangt, in die Hände der meisten Jugendlichen gelegt. Hand aufs Herz: Wer wusste - außer weniger Ausnahmen - mit 13, was er wirklich werden will?

 

Ich stelle provokativ in den Raum: "Was willst du werden?" ist für einen 15-Jährigen eine ähnliche Frage wie für einen Zweijährigen "Welche Schuhe willst du anziehen?" Er ist mit der Antwort überfordert. Sowohl mit den Möglichkeiten als auch mit der Tragweite der Entscheidung und noch viel mehr damit, dass es keine Konsequenzen hat, wenn er sich nicht entscheidet. "Lass dir Zeit." "Du schaffst das schon." "Mach etwas, das dir Spaß macht."

 

Jeder Erwachsene sollte sich die Frage stellen, ob das für ihn die zielführende Hilfestellung in den Beruf gewesen wäre, wenn er gar nicht gewusst hätte, was er machen soll. Ich kenne ausschließlich beruflich erfolgreiche Erwachsene, die entweder

  • tatsächlich schon als Jugendliche zielstrebig auf einen Beruf fixiert waren oder
  • seitens der Eltern eine klare Richtlinie hatten, was zu tun ist.

Zu diesen Dingen, die zu tun waren, gehörte es,

  • sich nach der Schule um einen Broterwerb zu kümmern,
  • eine Ausbildung (oder ein Studium) abzuschließen,
  • wenn man selbst keine Ahnung hatte, den Rat der Eltern einzuholen oder gemeinsam zu überlegen, wo und welche Ausbildung man machen könnte,
  • sich auseinander zu setzen, wenn die Eltern das Gefühl hatten, hier möchte jemand seinen Beitrag nicht leisten.

Ich will damit nicht sagen, dass man total direktiv sein oder seine eigenen negativen Erfahrungen mit zu direktiven Eltern wiederholen soll. Aber heute entziehen sich aus meiner Sicht einige Eltern der Verantwortung, Jugendlichen den Weg in eine Beschäftigungsaufnahme zu weisen, stattdessen möchten sie ihrem Kind alles ermöglichen, was es will, und - wenn es das noch nicht weiß - alles ermöglichen, um herauszufinden, was es will. Ist das aber nicht ein lebenslanger Prozess? Ganz ehrlich: Ich finde, dafür ist jeder später, wenn es erwachsen ist, selbst verantwortlich.

 

Also schlage ich vor, wieder die Verantwortung zu übernehmen, DASS das Kind durch die Ausbildungszeit in einem Beruf - welchem auch immer - erwachsener werden und reifen kann. Durch diesen Prozess begleiten es die Eltern durch Höhen und Tiefen, und dann können sie mit gutem Gewissen loslassen, weil der Sprössling jetzt auf eigenen Füßen stehen und weiter ins erwachsene Leben ziehen kann. Und das wollen wir doch alle, oder?

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Über die Zufriedenheit

Das neue Jahr hat angefangen, man hat sich gegenseitig Glück und Gesundheit und - Zufriedenheit gewünscht. Und ich stelle die These auf: Entweder man ist zufrieden oder man ist es nicht. Schon mit der Steigerungsform habe ich Mühe, denn gibt es ein "zufriedener" - und wann ist man am "zufriedensten"? Jeder hat seine eigene Messlatte, seinen persönlichen Bewertungsmaßstab, wann er zufrieden ist und wann sich das wohlige Gefühl gleich einer maßvollen Sattheit einstellt. Für mich hat Zufriedenheit auch viel mit Hunger zu tun. Hunger ist ein existentielles Bedürfnis, das der Mensch zu befriedigen anstrebt, um sich wohl zu fühlen. Und je nach Körper- und Magengröße braucht der ein oder andere schon mal mehr zu essen. Wenn er voll ist, sollte er voll sein. Aber auch wenn augenscheinlich für den äußeren Betrachter alles gut (und die Portion ausreichend) zu sein scheint, kommt ein Bedürfnis, eine inneren Stimme nach "Mehr", "Anders", "So-wie-ich-es-gerade-will" daher. Ich finde das sehr spannend. 

Niemand denkt uns, niemand bewertet die Portion für uns. Wir produzieren unsere unsere eigenen Gedanken, wir schaufeln sie hin, wir schaufeln sie her, wir setzen unsere eigenen Bewertungsmaßstäbe an, wir stellen unsere eigenen Regeln auf, wir alleine können bestimmen, ob wir mit einer Situation oder dem Leben zufrieden sind oder nicht. Wir alleine könnten entscheiden, selbst wenn ein anderer die Portion bewertet, dass uns diese Bewertung nicht interessiert. Was passiert mit uns, wenn wir hungrig zu sein meinen? Wenn wir meinen, etwas sollte anders, besser sein?

 

Natürlich hätte sich das Rad nicht erfunden, wenn der Mensch nicht unzufrieden gewesen wäre. Oder? Klar kann Unzufriedenheit etwas ändern. Aber meines Erachtens ist bei großer Unzufriedenheit immer zu prüfen, ob man nicht beim Versuch etwas zu ändern über das maßvolle Ziel hinausschießt. Ein maßvolles Ziel würde meines Erachtens schon im Vorfeld zur Zufriedenheit führen. Ein maßvolles Ziel motiviert tätig zu werden, und alleine durch Tätigkeit kann schon wieder Zufriedenheit erlangt werden. In der Psychologie nennt man das Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit ist die Bewusstheit über die Wirksamkeit des eigenen Handelns und des persönlichen Handlungsspielraums. Es gibt diesen netten Spruch, der immer wieder als Gebet, Wunsch oder anderes auftaucht, der besagt, man solle bewusst unterscheiden, ob es sich um etwas handelt, das man ändern kann, oder ob es sich um etwas Unabänderliches handelt. Der Spruch endet immer mit dem Wunsch nach der Weisheit, das eine vom anderen unterscheiden zu können. Sie wir uns stets über den realistischen Handlungsspielraum bewusst? Und wenn ja, können wir ihn akzeptieren, d.h. auch das Unabänderliche gelassen nehmen?

 

Ich meine, dass Unzufriedenheit auf zwei Wegen entsteht: Entweder ein Mensch bekommt aus seiner Sicht nie genug (Maßlosigkeit) oder der Handlungsspielraum wird über- oder unterschätzt. Letzteres führt in der Regel zu Passivität und damit zum Nicht-Handeln, zum Selbstmitleid, zur Abwertung von sich selbst und/oder der Umwelt, zur Flucht in andere Welten, zu Angstgefühlen oder zum Schönreden. Ich persönlich bin der Meinung, dass Maßlosigkeit eine Kompensation eines nicht genutzten Handlungsspielraums ist, denn sie ist für mich etwas Passives. Natürlich, Konsumieren scheint ein aktiver Akt zu sein, aber beim Konsumieren wird nichts geschaffen, außer ein wachsender Bauch, ein voller Kleiderschrank, ein volles Bankkonto etc. Und natürlich geben Fettreserven, täglich wechselnde Outfits über Wochen oder eine Geldreserve Sicherheit. Aber was ist mit dem Maß? Aktiv zu handeln heißt für mich, sowohl bewusst "ja" als auch bewusst "nein" sagen und das Handeln in Bezug auf mein eigenes Leben und meine Umwelt reflektieren zu können, wann ein "gesundes" Maß erreicht ist.

 

Die größten Saboteure des aktiven Handelns sind unsere Gedanken, Bewertungen, Katastrophen-Szenarien, Verleugnungen unserer Rechte, misstrauischen Zweifel, alten Regeln, inneren und äußeren Druckmacher und Neigung, Dinge schön zu reden. Ich denke, man sollte immer kritisch mit den eigenen Gedanken und der Bewertung des Grads der Zufriedenheit gegenüberstehen. "Glaube nicht alles, was Du denkst!", das habe mir nach der Lektüre  des Buchs "Wissen Sie, was Ihr Gehirn denkt?" (Fine, Cordelina 2007, Elsevier Vlg.) vorgenommen.

 

 

Für 2017 wünsche ich allen, sich ihres Handlungs- und Ohnmachts-Spielraums bewusst zu werden, und ich wünsche allen, ersteren zu nutzen und mit dem anderen liebevoll umzugehen. Ich wünsche allen, dass sie sich Ziele suchen, die so realistisch und klein genug sind, dass sie motivieren, ins aktive Handeln zu kommen. Und je aktiver das eigene Handeln, desto größer wird der Handlungsspielraum und desto kleiner und unbedeutender der der Ohnmacht, und umso mehr wächst die persönliche Zufriedenheit. Auf in ein aktives und zufriedenes 2017!

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Mindfucking mit sich selbst - wer denkt hier eigentlich was?

Schon länger zweifle ich ja daran, wer bei mir die Regie im Kopf hat! Spätestens seit der Lektüre "Wissen Sie, was ihr Gehirn denkt?" ist mir klar, dass die Neuronen und Synapsen in meinem Kopf ihr Eigenleben führen. Doch was passiert bei "Mindfuck"? Petra Bock hat in ihrem Buch "MINDFUCK" aus meiner Sicht sehr scharfsinnig analysiert, wie wir uns immer wieder selbst sabotieren. Eigentlich weiß man es schon lang, schon der Buddha fand heraus, dass alles nur im Kopf entsteht. Hilft dieses Wissen? Nun ja, also mir schon. Was mir daran gefällt, ist der Fakt, dass die Verantwortung und Handlungsmacht bei mir liegt. Jeden Moment auf's Neue.

 

 

Was sind denn nun "Mindfucks"? Es ist ein bisschen wie mit den Ohren bei dem Modell "Vier Seiten einer Nachricht" (Schulz von Thun), nur dass Petra Bock auf sieben Arten des Mindfucks kommt. Wir sabotieren uns aus ihrer Sicht durch Bewertung, Katastrophendenken, Druckmachen, Regeln-Hüten, Übermotiviation, Selbstverleugnung oder Misstrauen. "Ja", wird jetzt der ein oder andere denken, "aber es ist doch wichtig zu wissen, was richtig und was falsch ist, Regeln bringen Ordnung in unser Zusammenleben, und ein gesundes Misstrauen hat noch nie geschadet." Das ist schon 

richtig. Aber von wem wissen wir, was "richtig" und was "falsch" ist? Wer hat die Regeln aufgestellt und wozu? Sind sie immer noch gültig? Woher kommt Misstrauen und welchen Gewinn hat man dadurch? 

 

Lass es mich wie bei dem Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun erklären. Nehmen wir an, jemand sagt: "Die Sonne scheint heute schön." Jedem von uns würde etwas anderes dazu einfallen. Ein paar Beispiele:

 

A "Das brauchst Du mir nicht zu sagen, das sehe ich selbst. (So eine unnötige, nichts-sagende Konversation.)"

B "Oh je, jetzt hab ich vergessen mich einzucremen! Die Ozonschicht soll ja immer dünner werden, und meine Leberflecken sind in letzter Zeit dunkler geworden. ..."

C "Stimmt. Und ich sitze hier im Büro und habe die Zeit vertrödelt. Jetzt aber zügig arbeiten und gleich meinen Partner anrufen, dass er fertig ist, wenn ich nach Hause komme, um gleich in den Biergarten zu fahren."

D "Ja, wenn das so ist, dann brauche ich erstmal meinen Sonnenhut und Sonnencreme. Wie war das nochmal mit dem Lichtschutzfaktor und wie lange darf man dann mit ungebräunter Haut in der Sonne bleiben?

E "Ja, super! Dann aber gleich den Picknick-Korb gepackt und das Grillzeug ins Auto, und dann rufen wir noch xy an und machen eine Party am See"!

F "Ja, das klingt gut. Aber ich kann so ein Wetter grad nicht ausnutzen, ich muss für die Kinder noch was für morgen herrichten, und dann ist da noch die Wäsche, die will ich jetzt echt mal weghaben, und mein Partner, der kann auch nicht raus, und dann hätte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich es mir schön mache und er muss arbeiten.

G "Echt? Bist du Dir sicher? Also ich habe gehört, es soll dann noch schwere Gewitter geben und ich denke, solange hält das mit der Sonne nicht mehr."

 

Und? Welcher Typ bist Du so spontan?

 

Wenn man dazu noch das Eltern-Erwachsener-Kind-Modell (Transaktionsanalyse, Berne) im Kopf hat und die oben stehenden Aussagen anschaut, dann könnte man Aussage E dem "Kind-Ich" und alle anderen Aussagen dem "Eltern-Ich" zuordnen. Und wo bleibt der Erwachsene? Auf der Strecke. Was würde überhaupt ein Erwachsener sagen? Was würden Sie als echter, selbstverantwortlicher Erwachsener sagen? Es ist das Anliegen des Buchs, dass man das herausfindet. Petra Bock liefert einen kleinen Werkzeugkasten mit Diagnose-Instrument. Zuerst geht es darum herauszufinden, welchem Gedanken-Entwicklungs-Muster die eigenen Gedanken folgen, evtl. woher man das Muster hat. Dann gilt es zu reflektieren, wie man selbst wäre und wohin man sich entwickeln will, wenn man wirklich erwachsen und frei denken würde. Im dritten Schritt lädt uns die Autorin ein, die "inneren Wächter" der Gedanken-Entwicklungs-Muster für die wirklich eigenen Projekte und Ziele zu nutzen, um der zu werden, der man sein möchte, statt irgendwen oder irgendetwas in Form von selbsttätigen, behindernden, zermürbenden, schlechte-Laune-machenden Gedanken die Kontrolle über einen selbst und sein Leben übernehmen zu lassen.

 

Wohin könnte die Entwicklung gehen? Hinter den oben stehenden Sätzen verstecken sich die sieben Mindfucks, hinter denen wiederum inspirierende, lebensbejahende Eigenschaften stehen. 

 

A Bewertende Menschen haben oft Angst, dass ihnen der Genuß verdorben wird. "Die Arbeit ist kein Vergnügen". "Das Leben ist kein Ponyhof." Eigentlich will der Bewertende Vergnügen, Genuss, Freude. Möglicherweise steckt ein großes Herz dahinter und eine genaue Beobachtungsgabe für die kleinen, aber wichtigen Dinge im Leben. Eine große Begabung, die gelebt werden will! Im erwachsenen Modus würde die Antwort vielleicht sein: "Find ich schön, dass du das auch wahrnimmst. Ich finde, Sonne tut so gut auf der Haut und im Leben."

 

B Katastrophendenker sind oft Entdecker, deren Neugier irgendwann mal eingeschüchtert wurde. "Pass auf, dass du nicht runterfällst." "Nach Lachen kommt Weinen." "Ein Unglück kommt selten allein." Die Befreiung ist Freude am Entdecken, Neugier auf die Welt und Mut zu Abenteuern - das können auch ganz kleine sein! Was für ein Potential! Die Antwort als frei denkender Erwachsener wäre vielleicht: "Toll! Wenn das Wetter so bleibt, könnte man heute Abend noch am See einen schönen Sonnenuntergang anschauen." (Für größere Abenteurer: Auf einem Berggipfel ;o) )

 

C Sich selbst und anderen Druckmachende kann die Gelassenheit in Person stehen. Wahrscheinlich wurden Sätze wie "Zeit ist Geld." "Jetzt mach mal!!" "Wenn Du..., dann..." zu sehr verinnerlicht, so dass man Angst vor den Folgen der Gelassenheit bekam. Das heißt, dahinter verbirgt sich Leichtigkeit, Flexibilität und ein Vertrauen, dass die Dinge zur richtigen passieren. Sehr entspannend! Da würde ich vielleicht antworten: "Gut, dass du mich drauf aufmerksam machst. Da werde ich doch mittags eine längere Pause machen und mich auf einen Kaffee in die Sonne setzen."

 

D Dem Hüter der Regeln (auch Erbsenzähler genannt) wurden irgendwann mal statt Kreativität und Anderssein Regeln und Angepasstheit unmissverständlich empfohlen. "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr." "Mit dem Essen spielt man nicht." "Wenn das jeder täte..." Statt der Intuition zu vertrauen, sein Leben in die Hand zu nehmen ohne andere zu schädigen, regelt ein starres Verhaltensgerüst verbunden mit der Erwartung andere das Leben. Hier gehört die Phantasie, die Leidenschaft, das kreative Chaos zum Leben erweckt und dann könnte eine Antwort so lauten: "Was könnten wir mit so einem schönen Tag anfangen? Lass uns was überlegen und dann tun!"

 

E Der Übermotivierte hört sich immer so toll an, dass der Mindfuck manchmal schwer zu entlarven ist. Hier wollte jemand entweder nicht erwachsen werden, oder, was meistens der Fall ist, hier will jemand die Stimmung heben, damit es "allen gut geht". Gleichzeitig unterliegt der Übermotivierte den Gefühlsschwankungen, denn nicht immer ziehen alle mit oder lassen sich rausziehen aus ihrem Loch, gepaart mit Erschöpfungsphasen (wie die aufgedrehten Kinder, die irgendwann unter dem Tisch einschlafen). Natürlich ist hier ein gefühlsintensiver Mensch, der lernen kann, mit seinen Energien zu haushalten und einsieht, dass nicht alle jederzeit das Tempo mithalten, sich aber immer wieder gerne mitreißen lassen. Antwort als Erwachsener: "Ja, so ein schöner Tag! Sag mal, hättest Du Lust mit mir ein paar Leute anzurufen und vielleicht baden zu gehen oder zu grillen?"

 

F Der Selbstverleugner stellt seine Interessen immer hinten an, passt seine Gewohnheiten an, nimmt sich "gerne" zurück und achtet darauf, dass es allen anderen möglichst gut geht. Was ist hier passiert? "Einer muss das eben machen." "Sonst tut's ja keiner." "Ich mach das schon." Harmonie und Frieden, damit keine Konflikte entstehen, mit denen man nicht umgehen will. Deswegen werden Originalität und  Sich-selbst-ausleben unterdrückt, um das Konfliktpotential zu minimieren. Hier gibt es möglicherweise eine Fülle an individuellen Bedürfnissen, Interessen, die das eigene Leben und das anderer bereichern können. Und so könnte eine erwachsene Antwort lauten: "Ich würde gerne die Sonnenstunden ausnutzen, das Vorbereiten für den Schulausflug kann ich am Abend machen, und ich frage Peter, ob er nicht auch mal eine Pause braucht, ansonsten gehe alleine eine Runde schwimmen."

 

G Der Misstrauische war sicher mal ein großer Vertrauender. "Glaub dies nicht, die wollen dich alle nur über den Tisch ziehen." "Trau keinem xy (Berufe, Ethnien etc.)." "Das klappt eh nicht." Die Entmutigung, oft gepaart mit Bewertung und Verallgemeinerung von negativen Erfahrungen, fand sooft statt, dass sie verinnerlicht wurde. Innen drin warten Selbstvertrauen, Vertrauen ins Leben und Offenheit für Begegnungen. Der vertrauende Erwachsene würde vielleicht sagen. "Ja, ein wunderschöner Tag, die folgenden werden bestimmt auch gut. Wollen wir was unternehmen?"

 

Ich finde diese Art, sich selbst zu reflektieren einfach und bereichernd. Es ist ein Werkzeug, das man immer wieder einsetzen kann, wenn man das Gefühl hat, man dreht sich im Kreis, ist unzufrieden oder wenn man mit der Welt um sich herum hadert. Auf ins Erwachsenwerden!

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Mythos Traumjob

In meinem Beruf begegnen mir viele Menschen, die einen „Traumberuf“ suchen oder haben, und solche, die gerne einen „Traumjob“ möchten. Was steckt hinter diesem meist sehr innigen Wunsch? Zunächst ganz profan das Ziel viel Geld zu verdienen. Je jünger die Berufssuchenden, desto mehr steht die Assoziation Traumberuf - Traumjob - Geld im Vordergrund. Der zweite Grund ist, nichts machen zu müssen, was man nicht mag. Ein dritter Grund ist das Ansehen. Das Ansehen unter der Peer-Group, das Ansehen in der Kultur, das gesellschaftliche Ansehen. Natürlich gibt es weitere Hemmnisse auf der Suche nach einer möglichen Tätigkeit, sein Geld zu verdienen, wie „sich selbst verwirklichen“ oder „Spaß an der Arbeit zu haben“ oder „Erfüllung zu finden“. Bleiben wir mal bei den ersten drei genannten Gründen plus „die Erfüllung“:

 

1. Möglichst viel Geld zu verdienen

2. Etwas tun, das man mag

3. Die anderen finden den Beruf gut

 

4. Etwas Sinnvolles, Erfüllendes tun


Möglichst viel - oder genug - Geld verdienen

Wo verdient man am meisten? Diese Frage stellen mir Jugendliche als erstes, wenn wir uns zu Beginn einer Vorabgangsklasse unterhalten, welche Berufe für sie in Frage kämen. Je älter die Menschen werden, desto mehr rückt die Prämisse „am meisten“ in den Hintergrund zugunsten von „genug“ zur Schaffung und Erhaltung eines gewünschten Lebensstandards. Und klar, jeder möchte gern viel Geld verdienen und jeder will seiner Leistung entsprechend bezahlt werden, und nachdem es keine einheitlichen Stundenlöhne für alle Tätigen gibt, ist die Eingangsfrage durchaus legitim, finde ich. Meine Antwort für die Jugendlichen ist: In dem Beruf, in dem du die meiste Leidenschaft einbringst und in dem du dich am meisten engagierst, wirst du am meisten verdienen. Eigentlich müsste ich noch hinzufügen: In dem Beruf oder während der Tätigkeit, bei der du am belastbarsten und am leidensfähigsten bist. Und in dem Beruf, der eine Lobby hat oder in dem sich die Menschen zusammenschließen, um gemeinsam für höhere Verdienstmöglichkeiten zu kämpfen. Deutlicher gesprochen: Man wird am meisten entsprechend des Einsatzes der eigenen Leistungsfähigkeit verdienen. Das ist eine bittere Pille, die für einige nicht leicht zu schlucken ist. Die meisten Menschen werden anhand ihrer kognitiven, physischen und psychischen Leistungsfähigkeit geldmäßig gemessen. Das kann klingt ungerecht in den Augen derer, deren Leistungsfähigkeit aufgrund Herkunft, sozialem Status und/ oder mangelnder familiärer Unterstützung schlechter als die anderer ist. Aber es schafft einen Handlungsspielraum, Verantwortung für die eigene Leistung und den persönlichen Einsatz zu übernehmen. Fazit 1: Den Traumberuf/ Traumjob mit Geld zu verbinden schafft Abhängigkeit. Will ich diese Abhängigkeit, muss ich meine Leistungsfähigkeit entsprechend einsetzen bzw. entsprechende Aus- und Weiterbildungen absolvieren und Zeit investieren.

 

Etwas tun, das man mag

Die Liste ist meist lang, was man alles nicht tun will. Die einen wollen nicht die ganze Zeit stehen, die anderen nicht sitzen, manche wollen nicht im Freien arbeiten, sich nicht bücken und nicht schwer heben. Ich bin jetzt etwas gemein, denn manche haben Rückenleiden, andere Allergien, wieder andere chronische Unlust. Es gibt meines Erachtens keinen Traumjob, der ausschließlich Lieblingstätigkeiten enthält. Und je länger die Liste, was man alles nicht will, desto größer der Widerstand, desto geringer die Chance, sich für etwas zu begeistern. Und ich frage mich immer, ob diese Forderung „Etwas tun, das man mag“ nicht dekadent ist? Es gibt soviele Menschen, die arbeiten in Jobs und machen Sachen, die kein anderer machen wollte. Ich habe zum Beispiel mal eine Reportage über „Schlammsauger“ in Klärwerken gesehen, oder ich denke an alle Jobs, die in viel Lärm, Staub, Geruch, Hitze oder Kälte ausgeführt werden müssen. Gleichzeitig mache ich mich durch die Prämisse abhängig von meiner eigenen Laune und Bewertung, ob ich dies oder jenes an dem Job/ Beruf mag oder nicht. Vielleicht bin ich etwas zu pragmatisch, aber ich finde: „Wenn dich eine Sache nicht begeistern kann, begeistere du dich für sie“. Ich denke, man kann so ein paar Ausschlusskriterien oder ein „lieber als“ formulieren, z.B. „lieber putzen als in einer Kneipe bedienen“ oder „lieber kassieren als reparieren“. Danach bringt einen aus meiner Erfahrung Offenheit und Neugierde weiter als eine „mag ich - mag ich nicht“ - Bilanz. Was meines Erachtens mehr Sinn macht, ist Grundsätzliches festzuhalten: „Helfen“ oder „Verbindungen herstellen“ oder „Neues Entwickeln“ und dann offen zu sein, in welcher Form und wo das stattfinden könnte.  Fazit 2: Den Traumberuf/ Traumjob mit bestimmten Tätigkeiten zu verbinden schafft Abhängigkeit. Will ich diese Abhängigkeit, muss ich ggf. meine Gehaltserwartungen anpassen, meine Leistungsfähigkeit entsprechend ausbauen und u.U. in Kauf nehmen, mal keinen Job zu haben.

  

Die anderen finden den Beruf gut

Als Sozialarbeiterin weiß ich, der Mensch ist ein soziales Wesen und natürlich ist er als solches abhängig von der Bewertung der Außenwelt. Insbesondere was den Beruf anbelangt. Unabhängig vom Herkunftsland: Die meisten Eltern hätten gerne Abitur und ein Studium für ihr Kind, die meisten Schüler würden gerne Abitur machen und studieren, die meisten Menschen denken immer noch, dass man mit Abitur beruflich am weitesten kommt im Leben. Berufe, die mit Abitur zu erreichen sind, haben in der Regel ein besseres gesellschaftliches Ansehen als die ohne - ausgenommen der studierte Künstler, aber das war ja schon immer ein brotloser Beruf. Jetzt wieder im Ernst: Traumberufe oder Traumjobs haben meines Erachtens etwas mit kultureller Mode zu tun, dann mit dem Glücksgefühl, dass andere eher neidisch sind, wenn gesagt wird „Mein Kind ist Arzt.“ Es gab Zeiten, da waren Eltern stolz, wenn der Sohn Offizier in einem Heer war, heute ist das eher die Seltenheit. Fazit 3: Den Traumberuf/ Traumjob mit dem kulturellen/ gesellschaftlichen Ansehen zu verbinden schafft Abhängigkeit. Will ich diese Abhängigkeit, sollte ich das zumindest reflektieren und anerkennen, woher mein Wunsch kommt. Nachdem das kulturelle Ansehen meist mit dem Verdienst verbunden ist, merke ich noch an, dass im Moment der Auszubildende zum Maurer am meisten verdient, noch vor dem Bankkaufmann. 

 

Etwas Sinnvolles, Erfüllendes tun

An dieser Stelle bekomme ich persönlich wieder mein schlechtes Gewissen all denjenigen, die sich aus Überlebensgründen und anderen Lebensumständen diese Überlegung gar nicht leisten können. Und was ist überhaupt etwas „Sinnvolles, Erfüllendes“? Ich finde, das ist so ein bisschen eine Lebensaufgabe wie das Finden des heiligen Grals. Bevor man etwas Erfüllendes tun kann, steht die Suche an, nachdem was man als WIRKLICH sinnvoll und persönlich Bereicherndes empfindet bzw. wozu man geeignet ist. Was mir unwillkürlich dabei einfällt sind die zahllosen Berufenen in sozialen Berufen, die Workaholics in Unternehmen, Menschen, die vermeintlich in ihrem Beruf auf-, dabei aber  kaputtgehen. Fazit 4: Den Traumberuf/ Traumjob mit einer vermeintlichen Lebensaufgabe zu verbinden schafft Abhängigkeit, die in Aufopferung oder Workaholismus enden kann. Etwas Sinnvolles, Erfüllendes muss meines Erachtens nicht an den (Haupt-)Gelderwerb geknüpft sein, gerade hierbei sollte viel Zeit und Raum zur Reflexion zur Verfügung stehen, um mich persönlich in der Aufgabe weiterentwickeln zu können und die Arbeit genießen zu können.

 

Mythos Traumjob

Ich denke, es ist wichtig zu reflektieren, wenn man einen „Traumberuf“ oder den „Traumjob“ möchte. Da ist die Leistungsfähigkeit, anhand derer ich bezahlt werde und die ich mir erarbeiten muss. Da ist der Traum, den ich vielleicht für andere lebe, weil es ein angesehener Beruf/ Job ist. Da sind die Tätigkeiten, die ich bewerte und mir den eigenen Job madig mache, wenn sie nicht dem „Traum“ entsprechen. Und da ist die Lebensaufgabe, die zur Selbstaufgabe führen kann. Ich würde gerne weggehen vom Wort „Traum“ zum „passenden“ oder „Ziel-Beruf“. Alles ist möglich, wenn man es wagt die Komfortzone zu verlassen, Risiken in Kauf nimmt und den „Ziel-Beruf seines Lebensabschnitts“ oder den „Job seines Lebensabschnitts“ anstrebt. Glauben Sie mir, das kann süchtig machen!

 

Und dann möchte ich nochmals hervorheben, dass unweit dieser Diskussion um den Traumjob jede Menge Menschen in Deutschland und vor allem im Rest der Welt ihre Arbeit tun, um den Lebensstandard derjenigen, die sich hier Gedanken um den Traumjob machen, zu erhalten - ohne es sich leisten zu können, so eine Frage zu stellen. Nicht, dass ich nicht jeden ermutigen würde, der sich beruflich umorientieren will oder einen Beruf sucht, der zu ihm passt. Das ist mein Job. Aber ich will, dass jeder weiß, dass es ein Luxus ist, ein Geschenk, das achtsam behandelt werden will, dass das nicht im negativen Sinn ausgenutzt werden sollte und dass ausreichend gewürdigt werden sollte, auf wessen Kosten wir leben, wie wir aktuell leben.

 

Tun, was man liebt, ist Freiheit. Lieben was man tut, ist Glück.

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"Was immer du tun kannst oder träumst es tun zu können, fang damit an.
Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich."
J.W. Goethe